Kaiser

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Kaiser in Österreich

Für Regenten, Kaiser, Kaisertum in Österreich bildete Wien das Machtzentrum.

Sieben Jahrhunderte vergingen bis unter dem Babenberger Markgraf Heinrich I. der Starke, 996 erstmals ostarrichi urkundlich erwähnt wurde. Unter Leopold III. erlangten die Babenberger 1135 die Stadtherrschaft von Wien. Ein Jahr später erfolgte die Erstnennung von Austria.

Markgraf Leopold IV. erhob Wien 1137 zur Stadt (civitas). Herzog Heinrich II. Jasomirgott machte Wien zur Residenzstadt (privilegium minus vom 17.9.1156). 1172 wurde Wien erstmals als Weltstadt (civitas metropolitana) bezeichnet. Hundert Jahre später übernahmen die Habsburger die Herrschaft. Die wichtigsten Kaiser, für die Geschichte Wiens werden auf dieser Seite näher vorgestellt.

Rudolf I.


Rudolf wurde von in Frankfurt versammelten Kurfürsten am 1.10.1273 zum Römisch-Deutschen König gewählt. Die Krönung erfolgte am 24. Oktober im Aachener Dom (früher Aachener Marienkirche, von 936 bis 1531 Krönungsort Römisch Deutscher Könige). Zu den Königswählern (Kurfürsten) zählten rheinische Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln sowie der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen. Die Anerkennung Rudolfs als rechtmäßiger König erfolgte am 26. September 1274 durch Papst Gregors X..

In Wien herrschte König Ottokar. Rudolf ließ die Stadt seit dem 19. Oktober 1276 belagern. Nach der Unterwerfung Ottokars am 25. November 1276 erfolgte am 30. November 1276 Rudolfs feierlicher Einzug in Wien.

Rudolf IV. der Stifter


Spannend wird die Geschichte wieder mit der Thronbesteigung des erst neunzehnjährigen Rudolf IV. der Stifter im Jahr 1358. Er fälschte das privilegium maius (österreichischer Freiheitsbrief) und ließ das privilegium minus verschwinden. Dieser Schwindel flog auf und führte fast zum Krieg mit seinem Schwiegervater Kaiser Karl IV. Ziel war die Gleichstellung mit den Kurfürsten.

In den kurzen sieben Jahren seiner Amtszeit gründete er die Wiener Universität, die damit nach Prag die zweite Universität im deutschsprachigen Raum wurde, legte den Grundstein zum Umbau des Stephansdoms und führte Getränke- und Grundsteuer ein. Rudolf IV. wurde nur 25 Jahre alt. Er starb auf einer Reise nach Mailand, vermutlich an Tuberkulose (früher Schwindsucht).

Nach seinem Tod am 27. Juli 1365 belehnte Kaiser Karl IV. Rudolfs Brüder Albrecht III. und Leopold III. gemeinsam mit Österreich und Steiermark. Dies führte 1379 zu einer Teilung der Habsburgerländer.

Maximilian I. der letzte Ritter


Jakob Fugger ermöglichte Maximilian I. den Aufstieg und sicherte seinen Einfluss in die europäische Politik. Er gilt als einer der populärsten habsburgischen Kaiser. Sein prunkvoller Lebensstil, Verschwendungssucht und Masslosigkeit hinterließen einen hohen Schuldenberg. Er galt aber auch als Kunstmäzen, Förderer der Wissenschaften und Humanist.

Leopold I.


Die Konkurrenz zu Ludwig IVX. und Kriege prägte seine Regierungszeit. Unter Leopold I. erlebte Wien weitere Schicksalschläge. So begann im Jänner 1679 die Pestepidemie. Tausende Tote in Wien und in den Vorstädten waren zu beklagen. Das Verlöschen der Seuche wurde mit der Errichtung der Pestsäule am Graben gedankt. Hier wird der Kaiser betend dargestellt. Er war drei Mal verheiratet und zeichnet für den Neubau von Schloß Schönbrunn und dem Leopoldinischen Trakt der Hofburg verantwortlich.

Die größte Gefahr ging vom Osmanischen Reich aus. Leopold I. konnte sich die Unterstützung des Papstes und Polens sichern, wodurch die Schlacht um Wien (1683) gewonnen und die Türken zurückgedrängt werden konnten. Prinz Eugen gelang dies bei Zenta (1697) nachhaltig.

Leopold I.

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Karl VI.


Eine friedliche Zeit erlebte Wien unter Kaiser Joseph I. (geb. 26.7.1678, gest. 17.4.1711). Nach nur sechsjähriger Amtszeit folgte ihm sein Bruder Kaiser Karl VI.. Da sein Sohn kurz nach der Geburt starb, sah er sich veranlasst, die Erbfolge neu zu regeln. Dies ermöglichte seiner Tochter Maria Theresia Walburga Amalia Christina (geb. 13. Mai 1717, gest. 29. November 1780) die Thronfolge.

Unter Karls Regentschaft begann eine rege Bautätigkeit. Das Belvedere, die Karlskirche, das Bundeskanzleramt, die Hofstallungen, das Palais Schwarzenberg, die Porzellanfabrik, die Hofbibliothek, das bürgerliche Zeughaus, der Vermählungsbrunnen, die Winterreitschule und der Donnerbrunnen wurden erbaut.

Nach seinem Tod am 20.10.1740 gelangte Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich auf den Thron.

Karl VI.

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Maria Theresia


Nach dem Tod ihres Vaters Karl VI. am 20.10.1740 gelangte Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich auf den Thron.

Friedrich II., König von Preußen marschierte ohne Kriegserklärung in Schlesien ein. Maria Theresia kämpfte mit England gegen Preußen und Frankreich und verlor.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) versuchte sie, diesmal mit Hilfe der Franzosen, abermals vergeblich, Schlesien zurückzuerobern.

Am 18.8.1765 erlag ihr geliebter Franz Stephan den Folgen eines Schlaganfalls. Seither trug Maria Theresia schwarze Kleidung.

In der zweiten Reformperiode zentralisierte Maria Theresia die Verwaltung und setzte den Staatsrat ein. Der Jesuitenorden wurde aufgelöst, die Bauern steuerlich entlastet, die Volksschule eingeführt und die Universität ausgebaut. Darüberhinaus wurde die Folter abgeschafft.

Sie setzte die Bautätigkeit ihres Vaters fort. Neben dem Bau von Burgtheater, Schloß Schönbrunn und der Gloriette, der Salzgrieß- und Stiftskaserne, des Theresianums, der Universitätsaula und der Piaristenkirche, öffnete sie den Prater für die Bevölkerung.

Am 29.11.1780 starb die Kaiserin nach 40 Jahren Regentschaft. Ihr Sohn Josef II. (geb. 13.3.1741, gest. 20.2.1790) war bereits seit 1765 Römischer Kaiser und Mitregent.

Maria Theresia

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Joseph II.


Am 29.11.1780 starb die Kaiserin nach 40 Jahren Regentschaft. Ihr Sohn Joseph II. war bereits seit 1765 Römischer Kaiser und Mitregent. Er gilt als Begründer des österreichischen Beamtenstaates und als Anhänger der Aufklärung. Er hob die Leibeigenschaft auf und sicherte den Protestanten und Juden die freie Religionsausübung. Auch ein Besuch des Papstes Pius VI. am 22.3.1782 konnte die Kirchenreform nicht entschärfen.

Joseph II. ließ das Allgemeine Krankenhaus, Irrenanstalten und Armenhäuser errichten. Er versinnbildlicht die humane Geschichte Wiens.

Joseph II.

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Franz II/I.


Nach dem Tod Josephs II. übernahm sein Bruder Leopold II. (geb. 5. Mai 1747, gest. 1. März 1792) die Regentschaft. Er starb zwei Jahre später und wurde von seinem Sohn Franz II. beerbt. Als Kaiser von Österreich nannte er sich Franz I. Nach der Niederlage gegen Frankreich (Napoleon I.) bei Austerlitz (Dreikaiserschlacht allerdings ohne Beteiligung von Franz II.) am 2. Dezember 1805 verlor Österreich Tirol, Vorarlberg, Venetien, Istrien, Dalmatien und Cattaro, erhielt mit Friedensvertrag von Pressburg am 26. Dezember 1805 Salzburg. Österreichs Bevölkerung schrumpfte von 24 auf 20 Millionen und musste eine seiner bittersten Niederlagen verdauen.

Franz II. legte am 6. August 1806 die römische Kaiserkrone nieder. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (962-1806) war besiegelt.

Die von Napoleon 1806 verhängte Kontinentalsperre gegen England wurde von Russland negiert, woraufhin Frankreich 1812 Krieg gegen Russland führte und Moskau einnahm (Schlacht bei Borodino). Doch Hunger und Kälte sowie die Taktik der verbrannten Erde von General Kutusow zwangen Napoleon zum Rückzug.

Diese Niederlage ließ Wien wieder erstarken. Nach dem Scheitern des Friedenskongresses in Prag erklärte Österreich Frankreich abermals den Krieg. Mit Hilfe von Preußen, Russland und England gewann Kaiser Franz I. die Völkerschlacht bei Leipzig (16. - 19. Oktober 1813. Paris wurde besetzt und Napoleon dankte ab.

Kaiser Franz I. wurde bei seiner Rückkehr aus Paris ein triumphaler Empfang in Wien bereitet und die Stadt bis in die Vorstädte festlich beleuchtet. Am 1.11.1814 tanzte der Wiener Kongreß (18. September 1814 bis 11. Juni 1815). Unter dem Vorsitz von Staatskanzler Metternich wurde Europa neu aufgeteilt. Könige, Fürsten und 468 Diplomaten aus 200 Staaten machten Wien für einige Monate zum Nabel der Welt.

Franz II./I.

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Franz Joseph I.


Kaiser Ferdinand I. flüchtete mit seiner Familie aus Wien nach Ölmütz. Fürst Windischgrätz und die kaiserlichen Truppen beendeten die Oktoberrevolution. Nun dankte Kaiser Ferdinand I. ab und sein erst achtzehnjähriger Neffe Franz Joseph bestieg am 2. Dezember 1848 den Thron. In Ungarn sorgten die Kroaten unter Ban Jelacic mit russischer Hilfe für ein Ende der Aufstände und den Sieg des Absolutismus.

Geprägt von seinen persönlichen Erfahrungen in der Armee von Feldmarshall Radetzky in Norditalien war Kaiser Franz Joseph der Überzeugung, dass nur ein starkes Militär den Fortbestand seines großen Reiches garantieren konnte. Neben dem Militär bildete die Kirche den zweiten Eckpfeiler seiner Reichserhaltung. Sie erhielt am 18.8.1855 die Selbstverwaltung über ihren Besitz, die Ehegerichtsbarkeit und den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Die letzten Reste des Josefinismus wurden damit beseitigt. Erst durch die Maigesetze von 1868 wurde der Machteinfluss der Kirche beschränkt und die Zivilehe wieder eingeführt. Unterrichts- und Erziehungswesen wurden dem kirchlichen Einfluss entzogen und jeder Staatsbürger ab 14 durfte seine Religion selbst wählen.

Franz Josephs Regierungszeit wurde von innen- und außenpolitischen Niederlagen bestimmt. Im Krimkrieg 1853 - 1856 standen sich Russland und die Türkei, unterstützt von Frankreich und England gegenüber. Österreich verhielt sich neutral, obwohl der Kaiser nur mit russischer Hilfe die aufständischen Ungarn 1849 niederschlagen konnte. Russland verlor den Krieg und Frankreich entwickelte sich zur Großmacht.

In Italien keimten Unabhängigkeitsbestrebungen die von Frankreich unterstützt wurden. Bereits nach der verlorenen Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859 stand der Kaiser vor seiner Abdankung. Die Habsburger wurden aus Norditalien verdrängt. Die drohende Revolution wurde durch Zugeständnisse des Kaisers und demokratische Ansätze verhindert. Ungarn widersetzte sich abermals dem Kaiser und verlangte nach Eigenstaatlichkeit. Diesem Drängen unter Ferenc Deak schlossen sich bald auch die Tschechen, die Kroaten und die Polen an, die ebenfalls die Verfassung boykottierten. Eine Entspannung der Situation versprach das Sistierungspatent vom 20. September 1865.

Im Krieg gegen Preußen (Zündnadelgewehr) verlor Österreich unter Benedek am 3. Juli 1866 die Schlacht bei Königgrätz. Österreichische Siege unter Erzherzog Albrecht bzw. Tegetthoff gegen Italien (Custozza und Lissa) blieben unbelohnt. Im Prager Frieden am 23. August 1866 erhielt Italien Venetien und Preußen Holstein. Österreich schied aus dem Deutschen Bund und verlor seine Vormachtstellung an Preußen.

Der Ausgleich mit Ungarn führte zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn und zur Krönung Franz Josephs zum König von Ungarn am 8.6.1867.

Trotz der massiven Probleme des Vielvölkerstaates und der Niederlage gegen Deutschland erlebte Wien unter Franz Joseph eine kulturelle Blütezeit. Nach Schleifung der Basteien veranlasste er die Errichtung der Ringstraße, welche am 1.5.1865 vom Kaiserpaar feierlich eröffnet wurde.

Die Gründerzeit (1866 - 1873) war die Zeit großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Expansion. Davon sind noch einige Ringstraßenpalais im Neo-Renaissance- oder im Neo-Barockstil erhalten. Die wichtigsten Architekten waren Heinrich Ferstel, Theophil Hansen aber auch Johann Romano und August Schwendenwein.

Franz Joseph I.

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Karl I.


Als Kaiser Franz Joseph am 21.11.1916 starb, versuchte Kaiser Karl I. einen Sonderfrieden für Österreich-Ungarn auszuhandeln um die Monarchie zu retten. Dieses Vorhaben scheiterte ebenso wie die Friedensbemühung des Papstes Benedikt XV. Der Blutzoll des 1. Weltkrieges erreichte ein noch nie da gewesenes Ausmaß. 9 Millionen Tote und 19 Millionen Verwundete waren bis Kriegsende zu beklagen.

Das Ende des 1. Weltkrieges am 3.11.1918 (Waffenstillstand in Padua) bedeutete gleichzeitig das Ende des Völkergefängnisses der Habsburger. Kaiser Karl dankte am 11.11.1918 ab und Karl Renner (1. Staatskanzler) rief am 12.11.1918 die Republik Deutschösterreich aus. Am 16.2.1919 gewannen die Sozialdemokraten die ersten Wahlen und bildeten eine Koalition mit den Christlichsozialen.



Prachtbauten der Ringstraße

Wer waren die Baumeister?